Zweites Standbein

Was die Sportler der Forbes Under 30-Liste verbindet, ist nicht nur die Leidenschaft, sondern auch ein Risiko: Wer im Spitzensport früh oben ankommt, weiß auch, wie schnell es vorbei sein kann. Nebenbei arbeiten viele daher an ­eigenen Marken, Beteiligungen an Start-ups und Millionen­­reichweiten auf Social Media. Hier ist eine Auswahl an U30-Listmakern der letzten Jahre, die durch ihre sportliche Leistung bekannt wurden.

Dominic Thiem (AT)

Tennis, 2018 +

Dominic Thiem zählt zu den erfolgreichsten Sportlern, die Österreich je hervorgebracht hat. Geboren 1993 in Niederösterreich wuchs er in Lichtenwörth auf, wo seine Eltern eine Tennisschule betreiben – mit vier Jahren stand er erstmals selbst auf dem Platz. 2020 wurde zu seinem Jahr: Thiem wurde Weltranglistendritter, dazu kam der Titel bei den US Open; sein einziger Grand-Slam-Sieg. Nach Höhen und Tiefen beendete Thiem 2024 seine Profikarriere. Seitdem ist der heute 32-Jährige als Investor und Unternehmer unterwegs: Er ist an Start-ups aus dem Gesundheits- und Sportbereich beteiligt, darunter Neoh, Biogena und Fantium. Thiem tritt zusätzlich als Botschafter für Marken wie Adidas, Rolex, Bitpanda, BMW und Red Bull auf. Dazu kommen eigene Projekte: das Strommodell Thiem Energy, die Sonnenbrillenmarke Thiem View und die Sportakademie Thiem Academy Burgenland.

Anna Gasser (AT)

Snowboard, 2018 +

Mit 18 Jahren stand Anna Gasser erstmals auf einem Snowboard – acht Jahre später zählte sie zu den besten Big-Air- und Slopestyle-­Fahrerinnen der Welt. Im Dezember 2017 wurde sie als erste Snowboarderin überhaupt zu Österreichs Sportlerin des Jahres gewählt. Ihre Bilanz: zweimal Olympiagold im Big Air (2018, 2022), zweimal WM-Gold (2017, 2023) und WM-Silber 2015 im Slopestyle, dazu fünf X-Games-Titel. Damit ist sie die einzige Frau, die den olympischen Big-Air-Sieg je verteidigt hat. Beim Weltcup 2025 am Kreischberg folgte der zwölfte Weltcupsieg. Dort führte sie auch den „Cab Triple Cork 1260 mit Drunk-Driver-Grab“ aus – einen Snowboard-Trick, den vor ihr noch niemand gezeigt hatte.

Jolanda Neff (CH)

Mountainbike, 2020 +

Weltmeisterin, jüngste Gesamtweltcupsiegerin aller Zeiten, vierfache Europameisterin, siebenfache Schweizer Meisterin: Jolanda Neff hat als Mountainbikerin so ziemlich jeden Titel geholt, den es zu holen gibt. Den größten allerdings erst nach einem schweren Unfall: Im Dezember 2019 stürzte sie im Training in North Carolina – Milzriss, Lungenkollaps, Rippenbrüche. Anderthalb Jahre später fuhr sie in Tokio zu Olympiagold im Cross-Country, gemeinsam mit Sina Frei und Linda Indergand zum ersten Schweizer Olympia-Dreifachsieg seit 1936. Neff hat knapp 500.000 Follower auf Instagram, Marketingdeals mit Mercedes-Benz und Tissot und brachte ein eigenes ­Magazin heraus, dessen Erlös an
die Stiftung Greenhope ging.

Alica Schmidt (DE)

Leichtathletik/Sprint, 2022 +

Mit sechs Jahren stand Alica Schmidt erstmals auf der Laufbahn – zwei Jahrzehnte später ist die heute 27-Jährige nicht nur bundesweit bekannt, sondern eine der reichweitenstärksten Leicht­athletinnen Deutschlands: Allein auf Instagram folgen ihr rund 5,3 Millionen Menschen. International lief sie vor allem in der Staffel – 2017 U20- EM-Silber in Grosseto, 2019 U23-EM-Bronze in Gävle, dazu mehrere Medaillen bei deutschen Meisterschaften. 2021 gehörte Schmidt in Tokio zum Olympiakader, kam aber nicht zum Einsatz; 2024 in Paris startete sie dann sowohl in der Frauen- als auch in der Mixed-­Staffel über 4×400 Meter. Parallel ist Schmidt Model und Influencerin; seit 2021 arbeitet sie unter anderem mit Hugo Boss.

Jamal Musiala (DE)

Fußball, 2023 +

Jamal Musiala, geboren 2003 in Stuttgart, aufgewachsen in England, zählt zu den talentiertesten Fußballspielern seiner Generation. Seit seinem Wechsel zum FC Bayern München im Jahr 2019 entwickelte er sich zum Leistungsträger des Rekordmeisters und gewann mehrere deutsche Meisterschaften, den DFB-Pokal sowie die Champions League (2020). International entschied er sich 2021 für die deutsche Nationalmannschaft. Er nahm an der EM 2021, der WM 2022, der Heim-EM 2024 – bei der er mit drei Treffern geteilter Torschützenkönig wurde – sowie an der WM 2026 teil. Trotz einer schweren Verletzung im Sommer 2025 gilt Musiala weiterhin als einer der wertvollsten deutschen Fußballer; sein Marktwert beträgt derzeit rund 100 Mio. €.

Laura-Marie Geissler (DE)

Motorsport, 2023 +

Mit zehn Jahren entdeckte Laura-Marie Geissler im Kart ihre Leiden­schaft für den Motorsport. Bei ihrem ersten professionellen Rennen am Red Bull Ring in der Steiermark gewann sie den ersten Platz ihrer Klasse – und den dritten in der Gesamtwertung. Ihr Antreten sorgte für Aufsehen: Sie war eine der wenigen Frauen, die im Porsche Cup an den Start gingen. Geissler entwickelte sich zu einer der sichtbarsten Rennfahrerinnen im deutschsprachigen Raum. 2021 beschloss sie, ihre Sportaktivitäten ohne externe Sponsoren zu finanzieren, und entwickelte ­gemeinsam mit einer Marketingagentur ein Modell auf NFT-Basis: Wer kaufte, erhielt exklusive Vorteile in ihrer Community. Dann kamen die Rückschläge: ein Bremsversagen in Misano, schwerer Unfall, Total­schaden – und kurz darauf der globale Kryptocrash. Obwohl Geissler zuletzt nicht regelmäßig Rennen gefahren ist, ist sie weiterhin als Markenbotschafterin und Speakerin in der Motorsportbranche präsent.

Alisha Lehmann (CH)

Fußball, 2023 +

Alisha Lehmann ist Schweizer ­Nationalspielerin und eine der „meistgefolgten“ Sportlerinnen
im deutschsprachigen Raum – auf Instagram kommt sie auf rund 15 Millionen Follower. Im Januar 2026 kehrte die Flügelspielerin nach einer erfolgreichen Zeit in Italien (sie holte mit Juventus Turin 2024/25 das Double aus Meisterschaft und Pokal) in die englische Women’s Super League zurück und unterschrieb bei Leicester City einen Vertrag bis Sommer 2028. Vor ihrer Italien-Zeit hatte Lehmann bereits sechs Jahre lang, von 2018 bis 2024, in England gespielt, für West Ham, Everton und Aston Villa. Ihre Reichweite hat Lehmann längst in Partnerschaften übersetzt; unter anderem mit Adidas und EA Sports FC.

Marco Odermatt (CH)

Ski, 2023 +

Marco Odermatt ist Schweizer Skirennfahrer und nebenbei Unternehmer in eigener Sache. Der Nidwaldner gewann 2022 in Peking Olympiagold im Riesenslalom, holte drei WM-Titel und entschied den Gesamtweltcup fünfmal in Folge für sich (2021/22 bis 2025/26). Mit 54 Weltcupsiegen liegt der 28-Jährige gleichauf mit Hermann Maier auf Rang drei der ewigen Bestenliste und ist der erfolgreichste Schweizer Skirennfahrer überhaupt. Abseits der Piste läuft alles über seine Firma MO Snow AG: 2023 brachte Odermatt mit dem japanischen Ausrüster Descente eine eigene Skibekleidungs­kollektion ­heraus, 2024 stieg er beim Schweizer Spezialisten für Funktions­bekleidung X-Bionic als Investor ein – mit dem erklärten Ziel, die Marke zum ­globalen Marktführer zu machen.

Arda Saatçi (DE)

Extrem-/Ultralauf, 2025 +

Als Arda Saatçis Traum vom Profifußball platzte, verschrieb sich der 1997 geborene Berliner dem Extrem­sport – und wurde binnen zwei Jahren zu einem der bekanntesten Ultraläufer seiner Generation. 2024 lief er in 74 Tagen über 3.000 Kilometer von Berlin nach New York, täglich mindestens einen Marathon. 2025 durchquerte er Japan der Länge nach: 3.028 Kilometer in 43 Tagen. Im Mai 2026 folgte der bislang härteste Versuch – 604 Kilometer vom Death Valley zum Santa Monica Pier, bei bis zu 80 Grad Celsius Asphalttemperatur. Die selbst gesetzte Marke von 96 Stunden verfehlte er deutlich, im Ziel war er nach rund 123 Stunden. Live sahen ihm in der Spitze über 100.000 Menschen gleichzeitig zu; auf Instagram folgen ihm mittlerweile rund drei Millionen Menschen. Parallel baute Saatçi ein Geschäft auf: Er ist Co-Founder der Performance-Bekleidungsmarke Day One, die nach Unternehmensangaben eine sechsstellige Kundenzahl vorweisen kann.

Konrad Laimer (AT)

Fußball, 2025 +

Konrad Laimer hat sich in der Saison 2025/26 mit seiner Lauf­leistung und Mentalität in die Herzen der Bayern-München-Fans gespielt. Eigentlich im defensiven Mittelfeld zu Hause setzte ihn der Trainer fast durchgehend auf den ­Außenbahnen ein – mit Erfolg: Drei Tore und neun Vorlagen schaffte Laimer in 29 Bundesligaspielen. Am Ende gewann sein Klub die Meisterschaft und holte zum 21. Mal den Pokal. Danach folgte ein weiterer Höhepunkt: Bei der ersten WM-Teilnahme Österreichs seit 1998 stand Laimer im Kader. Sein Marktwert liegt derzeit bei rund 32 Mio. €.

Anna-Maria und Eirini-Marina Alexandri (AT)

Synchronschwimmen, 2025 +

Mit 14 Jahren verließen Anna-Maria und Eirini-Marina Alexandri Griechenland, wo sie für den Leistungssport kaum Perspektiven sahen, und zogen für das Synchron­schwimmen nach Österreich. Was folgte, war eine der erfolgreichsten Karrieren, die der rot-weiß-rote Schwimmsport je gesehen hat: zwei Weltmeistertitel im Duett – 2023 in Fukuoka in der freien Kür, 2025 in Singapur in der Technik-Kür –, dazu EM-Gold und ein Weltcupsieg. Im Februar 2026 dann der Bruch: Die Schwestern verließen Österreich „aus privaten Gründen“ und kehrten nach Griechenland zurück – künftig starten sie unter ­griechischer Flagge.

Noè Ponti (CH)

Schwimmen, 2024 +

Noè Ponti gilt als Ausnahmetalent des Schweizer Schwimmsports. Der Tessiner aus Locarno trainiert seit frühester Kindheit leistungsorientiert, groß geworden ist er im Klub Nuoto Sport Locarno, heute schwimmt er für den SC Uster. International bekannt wurde Ponti schlagartig 2021, als er in Tokio über 100 Meter Delfin Olympia-Bronze holte. Spätestens seit seinen Kurzbahn-Weltrekorden über 50 und 100 Meter Delfin und zwei Silbermedaillen bei der Langbahn-WM 2025 in Singapur zählt er zur absoluten Weltspitze.

Fotos: Moritz Scheer, Peter Rigaud, beigestellt, Michele Mondini, Fredi Richter, Wikimedia Commons, beigestellt, Perou, beigestellt, Peter Rigaud, Wikimedia Commons, beigestellt, Wikipedia

+ Jahr des Eintritts in die Forbes U30-Liste

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