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David Mayer-Heinisch, Gründer und CEO des Wiener Assetmanagers Froots, hat sich als Ziel gesetzt, Investieren für alle zugänglich zu machen, nicht nur für Millionäre. Im Forbes-Gespräch erklärt er, warum Eigenverantwortung das neue Freiheitsgefühl ist, wie ein quantitatives System menschliche Fehler ausnutzt – und weshalb 300 Mrd. € auf österreichischen Sparkonten ein gesellschaftlicher Skandal sind.
Für viele Menschen ist das Thema Investieren ein fernes, abstraktes Konzept, das sie lieber meiden. David Mayer-Heinisch, Gründer von Froots, bestätigt diesen Eindruck: „Die größten Fehler am Kapitalmarkt passieren eindeutig, weil wir kein Homo oeconomicus sind – sondern als Menschen für die Savanne gebaut sind und nicht für das Bloomberg-Terminal (ein Computersoftwaresystem für Finanzexperten, Anm.).“ Froots will dieses Problem lösen: Das 2020 in Wien gegründete Unternehmen positioniert sich als professioneller, quantitativer Assetmanager, der sich an die Bedürfnisse der Anleger anpasst.
Insgesamt zählt Froots heute rund 7.000 bis 8.000 Accounts – von Privatpersonen über Stiftungen bis hin zu Unternehmen. Das Wachstum ist so weit positiv: 2025 wuchs die Nutzerzahl bereits um 25 %, das verwaltete Vermögen um 35 %. Das Aktienportfolio, das vor 15 Monaten gestartet wurde, outperformte den MSCI World in diesem Zeitraum um 7 %. Trotz dieses Erfolgs sieht sich Froots weiterhin mit zahlreichen Herausforderungen konfrontiert, etwa dem geringen Vertrauen der Bevölkerung in Institutionen und dem Druck, dieses Vertrauen als junges Konzept – im Gegensatz zu etablierten Banken mit jahrzehntelanger Geschichte – in kurzer Zeit aufzubauen.
Es gibt Kindheitserlebnisse, die einen das ganze Leben lang prägen. Bei Mayer-Heinisch war es nicht anders: Wie viele in dieser Zeit wuchs er in einer Familie auf, die von finanziellem Desinteresse geprägt war. Im Jahr 1999 nahm diese Einstellung eine Wendung: Sein Vater schickte ihn und seine zwei Brüder mit jeweils 5.000 Schilling in der Tasche in eine Grazer Bank, mit der Aufforderung, sich innerhalb von zehn Minuten „etwas auszusuchen“. An dem Tag investierte Mayer-Heinisch, damals noch Schüler, dem Rat eines überenthusiastischen Bankers folgend, all sein Geld in eine Aktie: SAP. Er sah in örtlichen Tageszeitungen täglich den Wert seiner Aktie steigen und fühlte sich „wie das arroganteste Kind am Schulbuffet“. Dann platzte die Dotcom-Blase – und er verlor 85 % seines Vermögens.
Die scheinbare Niederlage war für ihn aber kein Grund, aufzugeben, im Gegenteil – sie weckte in ihm eine Faszination: Warum war ein Unternehmen an einem Tag viel wert, am nächsten so wenig? Diese Frage führte Mayer-Heinisch über ein Studium an der Wirtschaftsuni Wien zu einem Arbeitsplatz bei Raiffeisen International, in der Fondsmanagersektion, und dann zu Frank Lingohr, einem deutschen quantitativen Fonds. Dort arbeitete er sieben Jahre lang und verwaltete
4 Mrd. €, u. a. für die größten Staatsfonds Saudi-Arabiens und Skandinaviens. Doch die Zeit war voller schlafloser Nächte und er wohnte in Hotels; für eine eigene Wohnung hatte er „keinen Kopf“. Schließlich kam er zum Schluss: Diese Beschäftigung füllte zwar sein Konto, machte ihn aber nicht glücklich.
Eigenverantwortung hört sich böse an, ist aber eigentlich ultimatives Freiheitsgefühl.
David Mayer-Heinisch
Was ihn als Nächstes antrieb, war das Erkennen von zwei Lücken im System. Erstens: das Minimum-Ticket bei institutionellen Assetmanagern von 50 Mio. € – seine Freunde und er selbst waren damit also schlicht ausgeschlossen, sagt Mayer-Heinisch. Zweitens war er überzeugt, dass das Modell der „Vollkaskogesellschaft“ an sein Ende komme: „Jeder Einzelne da draußen muss seine finanzielle Zukunft selbst in die Hand nehmen.“
Nach einem MBA in Madrid gründete er 2020 gemeinsam mit Co-Gründer Dirk van Wassenaer Froots in Wien – mit zwei Laptops und ein paar Hunderttausend Euro Eigenkapital. Das Ziel: eine hochprofessionelle Vermögensverwaltung so effizient gestalten, dass sie wirklich jedem angeboten werden kann. „Wir haben alles vom Milliardär bis zur Kirchenmaus als Kunden – und genau das soll es auch sein“, so der Gründer.
Laut Nationalbank haben die Österreicher rund 300 Mrd. € auf Sparkonten liegen. Mayer-Heinisch sieht das als „Diebstahl und Wertverlust“ – an der Gesellschaft, an Endkunden und gegenüber dem Finanzmarkt als Ganzem. Ob die niedrige Zahl an Investoren an mangelndem Wissen oder fehlendem Vertrauen liege? Mayer-Heinisch meint, es sei beides: „Wir haben keine Kultur dafür, es wurde uns nicht beigebracht.“ Andererseits habe die Finanzindustrie viel Verbesserungsbedarf: „Wir haben als Industrie das Vertrauen verloren.“ Und schließlich habe der Staat durch ein umfassendes Sozialsystem jahrzehntelang signalisiert, dass Eigenvorsorge nicht nötig sei – „Eigenverantwortung hört sich böse an, ist aber eigentlich ultimatives Freiheitsgefühl“, sagt Mayer-Heinisch. Angesichts eines hoch verschuldeten Staats und einer alternden Gesellschaft werde es keine Alternative mehr dazu geben, zumindest teilweise selbst für die finanzielle Zukunft zu sorgen.
„Investieren hat natürlich Risiken. Deshalb müssen Investmentstrategien auf die jeweiligen Ziele und Zeithorizonte angepasst werden“, so der Gründer. Statt vorgefertigte Produkte zu verkaufen, baut Froots individuelle Portfolios. Die Gebührenstruktur ist transparent: maximal 1 % Managementgebühren pro Jahr, mit Staffelung nach Anlagevolumen. „Als quantitativer Manager kennen wir die Zukunft auch nicht besser als die anderen, aber wir wissen, wo Menschen wiederholt Fehler machen, und das nutzen wir aus“, so Mayer-Heinisch. Vollhybrid bedeutet für Froots: Vollständig menschlich im Kundenkontakt – und überall dort, wo der Mensch keinen Mehrwert hat, mit technologischer Unterstützung systematisch. Die Investmententscheidungen selbst werden von einem quantitatives System namens Froots 360 begleitet, das kontinuierlich alle relevanten Märkte analysiert und Entscheidungen wiederholbar, nachvollziehbar und möglichst risikoadjustiert treffen soll. Mayer-Heinisch versichert: „Wir sitzen im selben Boot, investieren wie unsere Kunden und haben 100 % ‚Skin in the Game‘.“
Froots will langfristig zur zentralen Lösung für die dritte Säule der Altersvorsorge in Österreich werden. Die erste Säule, die staatliche Pension, sei zwar großzügig, aber teuer und unter Druck; die zweite Säule, die betriebliche Vorsorge, erreiche nur ein Viertel der Bevölkerung. Die private Vorsorge als dritte Säule sei derzeit von teuren, intransparenten fondsgebundenen Lebensversicherungen dominiert, deren Steuervorteile durch Gebühren zunichtegemacht würden. Das Ziel ist also klar: möglichst vielen Menschen auf professionelle Art zu helfen, Eigenverantwortung für ihre finanzielle Zukunft zu übernehmen. Ob ihm das mit Froots gelingt, wird sich zeigen. Die Zahlen sprechen vorerst dafür – und der Schneeball, wie Mayer-Heinisch selbst sagt, wird mit jedem zufriedenen Kunden größer …
Text: Klara Csongrady
Fotos: Niko Havranek